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E-Learning und Kurse erstellen

Was ist SCORM? Format, SCORM-Datei und Versionen einfach erklärt

SCORM ist der Grund, warum ein Kurs aus einem Autorenwerkzeug in fast jedem Lernmanagementsystem (LMS) läuft – und der Grund für viele Supportanfragen, wenn ein Abschluss im LMS nicht ankommt. Wer Schulungen für ein LMS bereitstellt oder einkauft, sollte deshalb wissen, was in einer SCORM-Datei steckt und wie sie mit dem LMS kommuniziert.

Dieser Ratgeber erklärt das Format ohne Fachchinesisch, aber mit den technischen Details, die Sie für Ausschreibungen, die Fehlersuche und die Wahl zwischen SCORM 1.2, SCORM 2004, xAPI und cmi5 brauchen.

Aktualisiert am 8 Min. LesezeitRedaktion Lehrwerk
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Das Wichtigste in Kürze

  • SCORM (Sharable Content Object Reference Model) ist ein Standard für E-Learning-Inhalte, entwickelt von der Advanced Distributed Learning Initiative (ADL).
  • Eine SCORM-Datei ist ein ZIP-Paket mit der Beschreibungsdatei imsmanifest.xml und den Kursdateien (HTML, JavaScript, Medien).
  • Zur Laufzeit meldet der Kurs über eine JavaScript-Schnittstelle Status, Punktzahl und Lernstand an das LMS.
  • SCORM 1.2 ist am weitesten verbreitet; SCORM 2004 trennt „abgeschlossen“ und „bestanden“ sauber und speichert mehr Lernstand. xAPI und cmi5 sind die moderneren Nachfolger.

Was ist SCORM?

SCORM ist kein Dateityp und keine Software, sondern eine Sammlung von Spezifikationen. Sie legt fest, wie E-Learning-Inhalte verpackt werden, damit ein LMS sie importieren kann, und wie Inhalt und LMS während des Lernens Daten austauschen. Entwickelt wurde SCORM von der Advanced Distributed Learning Initiative (ADL), einer Einrichtung des US-Verteidigungsministeriums; die Version 1.2 erschien 2001, SCORM 2004 in mehreren Editionen bis 2009.

Der praktische Nutzen: Ein Kurs, der mit einem beliebigen Autorenwerkzeug erstellt wurde, läuft in jedem LMS, das dieselbe SCORM-Version unterstützt. Das LMS übernimmt Benutzerverwaltung, Zuweisung und Berichte; der Kurs liefert die Inhalte und meldet, wie weit jemand ist und ob er bestanden hat.

Die drei Teile des Standards

  • Content Aggregation Model (CAM): wie ein Kurs verpackt und im Manifest beschrieben wird.
  • Run-Time Environment (RTE): wie der Kurs im Browser das LMS findet und Daten liest und schreibt.
  • Sequencing and Navigation (SN): nur in SCORM 2004 – Regeln, in welcher Reihenfolge Lerneinheiten freigeschaltet werden.

Aufbau einer SCORM-Datei

Eine SCORM-Datei – im Standard „Package Interchange File“ genannt – ist ein gewöhnliches ZIP-Archiv. Im Hauptverzeichnis muss die Datei imsmanifest.xml liegen; daneben stehen die Kursdateien. Entpacken Sie ein Paket, sehen Sie sofort, ob es korrekt aufgebaut ist.

Wichtige Elemente der imsmanifest.xml
ElementZweck
manifestWurzelelement mit eindeutiger Kennung und den verwendeten XML-Namensräumen
metadataAngabe von Schema und Version, etwa „ADL SCORM“ mit „1.2“ oder „2004 4th Edition“
organizations / organizationDie Gliederung des Kurses, wie das LMS sie anzeigt
itemEin Eintrag in der Gliederung; verweist über identifierref auf eine Ressource
resources / resourceDie Startdatei (href) und alle zugehörigen Dateien; das Attribut scormtype bzw. scormType kennzeichnet SCO oder Asset

Ein SCO (Sharable Content Object) ist eine Lerneinheit, die mit dem LMS kommuniziert. Ein Asset ist eine reine Datei wie ein PDF, die nichts zurückmeldet. Die meisten Autorenwerkzeuge exportieren einen ganzen Kurs als ein einziges SCO; das ist am robustesten, weil das LMS nur einen Status verwalten muss.

SCORM-Datei öffnen

Eine SCORM-Datei lässt sich nicht einfach per Doppelklick abspielen. Sie brauchen ein LMS oder einen SCORM-Player. Zum Testen vor dem Import eignet sich ein Testdienst wie SCORM Cloud oder eine Testumgebung Ihres LMS.

Wie ein SCORM-Kurs mit dem LMS kommuniziert

Startet eine Lernende den Kurs, öffnet das LMS die Startdatei in einem Fenster oder Frame und stellt ein JavaScript-Objekt bereit. Der Kurs sucht dieses Objekt in den übergeordneten Fenstern und ruft dessen Funktionen auf:

Laufzeit-Schnittstelle in SCORM 1.2 und SCORM 2004
SCORM 1.2SCORM 2004
Name des ObjektsAPIAPI_1484_11
Sitzung startenLMSInitialize("")Initialize("")
Wert lesen / schreibenLMSGetValue / LMSSetValueGetValue / SetValue
SpeichernLMSCommitCommit
Sitzung beendenLMSFinishTerminate
Statuscmi.core.lesson_statuscmi.completion_status und cmi.success_status
Punktzahlcmi.core.score.raw (mit min und max)cmi.score.scaled (−1 bis 1), zusätzlich raw
Lernstand zum Fortsetzencmi.suspend_data, bis 4.096 Zeichencmi.suspend_data, ab 3. Edition bis 64.000 Zeichen

Weil der Kurs per JavaScript direkt auf das Fenster des LMS zugreift, müssen Kurs und LMS-Fenster in der Regel von derselben Domain kommen. Deshalb laden Sie das Paket ins LMS hoch, statt es extern zu verlinken. Manche Anbieter liefern schlanke Pakete, die nur einen Starter enthalten und die eigentlichen Inhalte von ihrem Server nachladen; die Kommunikation mit dem LMS bleibt dabei SCORM-konform.

SCORM 1.2 oder SCORM 2004?

Beide Versionen sind weiterhin im Einsatz. Die Wahl hängt vor allem davon ab, was Ihr LMS zuverlässig unterstützt und wie Sie Abschlüsse auswerten wollen.

SCORM 1.2 und SCORM 2004 im Vergleich
KriteriumSCORM 1.2SCORM 2004
VerbreitungPraktisch jedes LMSDie meisten aktuellen LMS, meist 3. oder 4. Edition
Abschluss und ErfolgEin Feld: passed, completed, failed, incomplete, browsed, not attemptedGetrennt: abgeschlossen (completion) und bestanden (success)
Lernstand4.096 Zeichen – bei langen Kursen knapp64.000 Zeichen
Reihenfolge der LerneinheitenNicht standardisiertSequencing and Navigation
EmpfehlungWenn Ihr LMS älter ist oder Sie maximale Kompatibilität brauchenWenn Sie abgeschlossen und bestanden getrennt auswerten wollen

Ein häufiger Stolperstein bei SCORM 1.2: Der Kurs meldet „completed“, das LMS erwartet für den Abschluss aber „passed“ – oder umgekehrt. Bei Pflichtschulungen mit Test sollten Sie vorab klären, welcher Status im LMS als Abschluss gilt. Das gilt besonders, wenn das LMS die Grundlage für Ihren Unterweisungsnachweis ist.

Typische Probleme mit SCORM-Paketen

  • Abschluss kommt nicht an: Statuswert und Abschlusskriterium im LMS passen nicht zusammen, oder der Kurs ruft beim Schließen kein Commit und kein Finish bzw. Terminate auf.
  • Fortschritt geht verloren: Der Lernstand überschreitet die Grenze von cmi.suspend_data (vor allem in SCORM 1.2) oder das LMS speichert nur beim regulären Beenden.
  • Kurs startet nicht: Die imsmanifest.xml liegt nicht im Hauptverzeichnis des ZIP, oder das Paket wurde doppelt gezippt.
  • Pop-up-Blocker: Das LMS öffnet den Kurs in einem neuen Fenster, das der Browser blockiert.
  • Sitzung läuft ab: Lange Lerneinheiten ohne Zwischenspeichern; die Anmeldung im LMS endet, bevor der Kurs Daten sendet.
  • Version verwechselt: Ein SCORM-2004-Paket wird als 1.2 importiert oder umgekehrt.

Bevor Sie einen Kurs breit ausrollen, lohnt ein kurzer Testlauf:

  1. Paket in einer Testumgebung oder einem SCORM-Testdienst importieren.
  2. Kurs teilweise bearbeiten, schließen und erneut öffnen: Wird an der richtigen Stelle fortgesetzt?
  3. Test einmal bestehen und einmal nicht bestehen: Welche Status und Punktzahlen zeigt das LMS?
  4. Auf dem Smartphone und in den Browsern Ihrer Belegschaft prüfen.

Nachfolger: xAPI und cmi5

Mit der Experience API (xAPI) hat die ADL 2013 einen flexibleren Standard veröffentlicht. Lernaktivitäten werden als Aussagen nach dem Muster „Akteur – Verb – Objekt“ in einem Learning Record Store (LRS) gespeichert, unabhängig davon, ob im Browser, in einer App oder offline gelernt wird. xAPI allein regelt aber nicht, wie ein LMS einen Kurs startet.

Diese Lücke schließt cmi5: ein xAPI-Profil, das Start, Sitzung und Abschlussregeln für LMS-Kurse festlegt. cmi5 verbindet die Vorteile von xAPI mit der Verlässlichkeit, die SCORM im LMS bietet. In der Praxis ist SCORM trotzdem nach wie vor der Standard, den fast jedes LMS beherrscht – wer heute einen Kurs verteilen muss, liefert in der Regel SCORM 1.2 oder 2004.

Checkliste: SCORM-Kurse einkaufen oder ausschreiben

Wer Kurse von Dienstleistern bezieht oder ein Werkzeug auswählt, sollte die SCORM-Anforderungen schriftlich festhalten. Diese Punkte vermeiden spätere Überraschungen:

  • Version: SCORM 1.2 oder SCORM 2004 – und bei 2004 welche Edition Ihr LMS unterstützt.
  • Abschlusskriterium: Gilt der Kurs als abgeschlossen, wenn alles angesehen wurde, wenn der Test bestanden ist, oder beides?
  • Bestehensgrenze und Punktzahl: Wird die Punktzahl übermittelt, und in welchem Format?
  • Fortsetzen: Wird der Lernstand gespeichert, sodass Lernende später an derselben Stelle weitermachen?
  • Aktualisierung: Wie schnell liefert der Anbieter ein neues Paket, wenn sich Inhalte ändern, etwa eine Betriebsanweisung oder ein Produkt?
  • Medien: Haben Videos Untertitel, und funktioniert der Kurs auf Smartphones? Hinweise zu barrierefreien Videos stehen im Ratgeber Schulungsvideo erstellen.
  • Lizenzen: Gilt die Lizenz pro Paket, pro Lernende oder zeitlich begrenzt?

Für Produktakademien, die Händler und Servicepartner über deren eigene LMS schulen, ist SCORM oft der einzige gemeinsame Nenner. Wie solche Akademien aufgebaut werden, zeigt die Lösung Produktschulungen.

SCORM-Datei erstellen

Von Hand lässt sich ein SCORM-Paket bauen: Manifest schreiben, Startdatei mit JavaScript-Aufrufen versehen, alles zippen. Für echte Kurse ist das selten sinnvoll. Üblich sind drei Wege:

  • Autorenwerkzeuge: Sie gestalten Folien oder Seiten und exportieren als SCORM. Flexibel, aber jeder Kurs wird von Grund auf gebaut.
  • Konvertierung: Präsentationen oder Videos werden in ein Paket verpackt. Schnell, aber meist ohne echte Interaktion und Lernerfolgskontrolle.
  • Plattformen mit SCORM-Export: Sie erstellen und pflegen den Kurs in einer Plattform und exportieren ihn für Ihr LMS.

Lehrwerk gehört zur dritten Gruppe: Aus Ihren eigenen Dokumenten entstehen Kurse mit Lektionen, Erklärvideos und Tests, die Sie ab dem Tarif Starter als SCORM 1.2 oder SCORM 2004 exportieren. Fortschritt, Ergebnis und Abschluss werden an Ihr LMS zurückgemeldet; Lernende, die über das LMS zugreifen, zählen zu den Lernenden Ihres Tarifs. Details stehen auf der Preisseite. Wie Sie einen Kurs inhaltlich aufbauen, zeigt der Ratgeber Online-Kurs erstellen.

Häufige Fragen

Ein ZIP-Archiv mit einem E-Learning-Kurs und der Beschreibungsdatei imsmanifest.xml. Ein LMS liest das Manifest, zeigt die Gliederung an und startet den Kurs, der dann Status und Ergebnisse an das LMS meldet.

Sie importieren sie in ein LMS oder einen SCORM-Player. Entpacken können Sie das ZIP, um den Inhalt zu prüfen, aber ohne LMS fehlt die Schnittstelle, über die der Kurs Fortschritt und Ergebnis speichert.

Wenn Ihr LMS beide sicher unterstützt und Sie Abschluss und Bestehen getrennt auswerten wollen, SCORM 2004 (3. oder 4. Edition). Bei älteren Systemen oder wenn Sie maximale Kompatibilität brauchen, SCORM 1.2.

Technisch gibt es modernere Standards wie xAPI und cmi5. In der Praxis unterstützen aber fast alle LMS SCORM, viele die neueren Standards nur teilweise. Für die Verteilung von Kursen ist SCORM deshalb weiterhin der verlässlichste Weg.

Nur im Ausgangswerkzeug: Sie ändern den Kurs dort, exportieren ein neues Paket und ersetzen das alte im LMS. Prüfen Sie dabei, wie Ihr LMS mit bereits begonnenen oder abgeschlossenen Durchläufen umgeht.

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