Arbeitsmittel, PSA und Elektro
Unterweisung PSA gegen Absturz: Übungen, Rettung und Nachweis
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Worum es geht
Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) kommt dort zum Einsatz, wo Absturzkanten nicht mit Geländern, Netzen oder Arbeitsbühnen gesichert werden können – auf Dächern, an Masten, in Silos oder bei Montagearbeiten. Auch im Arbeitskorb mancher Hubarbeitsbühnen ist sie nach Herstellerangabe vorgeschrieben. Sie ist das letzte Mittel in der Rangfolge der Schutzmaßnahmen und muss im Ernstfall ohne Fehler funktionieren.
Ein Auffangsystem besteht immer aus mehreren Teilen: Auffanggurt, Verbindungsmittel mit Falldämpfer oder Höhensicherungsgerät, Verbindungselemente und ein tragfähiger Anschlagpunkt. Ein Fehler an einer Stelle – ein falsch eingehängter Karabiner, zu wenig Freiraum unter der Arbeitsstelle, ein ungeeigneter Anschlagpunkt – kann die Schutzwirkung aufheben. Genau darauf zielt die Unterweisung.
Hinzu kommt die Rettung: Wer nach einem Sturz bewegungslos im Gurt hängt, ist durch das sogenannte Hängetrauma gefährdet. Eine Rettung muss deshalb geplant, ausgerüstet und geübt sein, bevor jemand in den Gurt steigt.
Rechtsgrundlagen
- § 31 DGUV Vorschrift 1Besondere Unterweisungen
- Für PSA gegen tödliche Gefahren – dazu gehört PSA gegen Absturz – ist die Benutzungsinformation in Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln. Beschäftigte müssen Anlegen, Einstellen und Anschlagen praktisch geübt haben.
- DGUV Regel 112-198Benutzung von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz
- Die Regel beschreibt Auswahl, Benutzung und Prüfung von Auffang- und Rückhaltesystemen, Anforderungen an Anschlageinrichtungen und den nötigen Freiraum unter der Arbeitsstelle. Sie sieht Unterweisungen mit praktischen Übungen nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich vor.
- DGUV Regel 112-199Retten aus Höhen und Tiefen mit persönlichen Absturzschutzausrüstungen
- Wird PSA gegen Absturz eingesetzt, muss eine schnelle Rettung organisiert sein. Die Regel beschreibt Rettungsausrüstung, Rettungsverfahren und die Unterweisung der Personen, die eine Rettung durchführen sollen.
- § 3 PSA-BVPSA-Benutzungsverordnung
- Der Arbeitgeber unterweist, wie die Ausrüstung sicherheitsgerecht benutzt wird, und hält die Benutzungsinformationen des Herstellers in verständlicher Form und Sprache bereit.
- § 10 ArbSchGErste Hilfe und sonstige Notfallmaßnahmen
- Der Arbeitgeber trifft Vorkehrungen für Erste Hilfe und Rettung. Bei Arbeiten mit PSAgA heißt das: Rettungsgerät vor Ort, eingewiesene Retterinnen und Retter und eine Alarmierungskette, die auch auf abgelegenen Dächern funktioniert.
Wer, wann und wie oft
Unterwiesen werden alle, die PSAgA benutzen – eigene Beschäftigte ebenso wie Leiharbeitskräfte – und alle, die im Notfall retten sollen. Wer mit Absturzschutz arbeitet, muss für diese Tätigkeit körperlich geeignet sein; ob eine arbeitsmedizinische Beratung sinnvoll ist, klären Sie mit Ihrer Betriebsärztin oder Ihrem Betriebsarzt.
Die Unterweisung mit Übungen findet vor dem ersten Einsatz statt und wird mindestens einmal jährlich wiederholt. Ändern sich Ausrüstung, Anschlagsituation oder Einsatzort grundlegend, gehört eine zusätzliche Einweisung dazu, zum Beispiel bei einem neuen Höhensicherungsgerät oder einer neu montierten Dachsicherung.
Neben der Unterweisung steht die Prüfung der Ausrüstung: Benutzer kontrollieren sie vor jeder Verwendung durch Sichtprüfung, eine sachkundige Person prüft sie nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich. Nach einer Sturzbelastung wird die Ausrüstung der Benutzung entzogen, bis eine sachkundige Person über die weitere Verwendung entschieden hat.
Intervall
Vor dem ersten Einsatz, danach mindestens jährlich mit ÜbungenInhalte der Unterweisung PSA gegen Absturz: Checkliste
Planung vor dem Einsatz
- Wann PSAgA zulässig ist und warum Geländer, Netze oder Bühnen Vorrang haben
- Auffangen oder Rückhalten: Unterschied und Auswahl des passenden Systems
- Anschlagpunkte erkennen: tragfähig, möglichst oberhalb, geprüft oder vom Hersteller freigegeben
- Freiraum unter der Arbeitsstelle prüfen, Pendelsturz und Belastung über Kanten vermeiden
Anlegen und Benutzen
- Auffanggurt richtig anlegen und einstellen, gegenseitige Kontrolle
- Verbindungsmittel, Falldämpfer und Höhensicherungsgeräte: Funktion und Grenzen
- Karabiner richtig einhängen und verriegeln
- Beim Umsteigen ständig gesichert bleiben, etwa mit zwei Verbindungsmitteln
Prüfung und Pflege
- Sichtprüfung vor jeder Benutzung: Gurtbänder, Nähte, Beschläge, Falldämpfer
- Nach einer Sturzbelastung sofort aussondern und melden
- Lagerung trocken, ohne UV-Belastung und fern von Chemikalien
- Prüfintervall der sachkundigen Person und Ablegereife nach Herstellerangaben
Rettung und Notfall
- Gefahr des Hängetraumas und warum schnell gerettet werden muss
- Rettungsplan, Rettungsausrüstung und wer im Notfall rettet
- Alarmierung, Erste Hilfe und Versorgung nach der Rettung
- Praktische Rettungsübung unter möglichst realistischen Bedingungen
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Rettung nicht geplant
Wenn erst nach dem Sturz überlegt wird, wie die Person herunterkommt, geht wertvolle Zeit verloren. Rettungsgerät und eingewiesene Personen müssen vor Arbeitsbeginn bereitstehen.
Ungeeigneter Anschlagpunkt
Rohrleitungen, Geländer oder Leitern sind nicht automatisch tragfähig. Verwenden Sie nur geprüfte oder nachweislich geeignete Anschlagpunkte.
Zu wenig Freiraum
Ein Falldämpfer braucht Weg, um zu wirken. Bei geringer Höhe kann die Person trotz Sicherung aufschlagen; dann sind ein Höhensicherungsgerät oder ein Rückhaltesystem die bessere Wahl.
Übungen nur auf dem Papier
Ein Foliensatz ersetzt nicht das Anlegen des Gurts und die Rettungsübung. Fehlt die Übung, fehlt ein vorgeschriebener Teil der Unterweisung.
Ausrüstung nach einem Sturz weiterverwendet
Auch ohne sichtbare Schäden kann Ausrüstung nach einer Sturzbelastung geschwächt sein. Sie gehört ausgesondert und von einer sachkundigen Person beurteilt.
So dokumentieren Sie die Unterweisung
Dokumentieren Sie Theorie und Praxis getrennt: Inhalte, Datum, unterweisende Person, die verwendete Ausrüstung und die durchgeführten Übungen einschließlich der Rettungsübung. Die Teilnehmenden bestätigen ihre Teilnahme. Für die Prüfung der Ausrüstung führen Sie zusätzlich einen Prüfnachweis je Ausrüstungsteil.
Eine druckbare Grundlage ist unsere Vorlage Unterweisungsnachweis. Tragen Sie im Feld für die Inhalte die geübten Handgriffe ein, etwa „Anlegen, Anschlagen am Einzelanschlagpunkt, Rettung mit Abseilgerät geübt“.
Kostenlose Vorlage: Unterweisungsnachweis
Am Bildschirm ausfüllen, drucken oder als PDF speichern – mit „PSA gegen Absturz“ vorbelegt.
Beispielfragen für die Verständnisprüfung
Frage 1
Warum muss eine im Gurt hängende Person schnell gerettet werden?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Bewegungsloses Hängen im Gurt kann zu lebensbedrohlichen Kreislaufstörungen führen. Die Rettung muss deshalb vorbereitet sein.
Frage 2
Was geschieht mit einem Verbindungsmittel, das einen Sturz aufgefangen hat?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Nach einer Sturzbelastung wird die Ausrüstung ausgesondert, bis eine sachkundige Person über die weitere Verwendung entschieden hat.
Frage 3
Welcher Anschlagpunkt ist grundsätzlich vorzuziehen?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Ein Anschlagpunkt oberhalb verkürzt die Fallstrecke und verringert das Risiko eines Pendelsturzes.
Häufige Fragen
Nur der theoretische Teil. Wann PSAgA zulässig ist, wie Systeme aufgebaut sind und worauf bei der Sichtprüfung zu achten ist, lässt sich digital vermitteln und mit Fragen prüfen. Die nach § 31 DGUV Vorschrift 1 vorgeschriebenen Übungen – Anlegen, Anschlagen, Rettung – finden praktisch statt. Mehr zum Zusammenspiel im Ratgeber Online-Unterweisung.
Mindestens einmal jährlich als Teil der Unterweisung, zusätzlich vor dem ersten Einsatz und bei neuer Ausrüstung oder neuen Einsatzsituationen. Wird PSAgA regelmäßig eingesetzt, üben viele Betriebe die Rettung häufiger. Legen Sie das Intervall in der Gefährdungsbeurteilung fest.
Vor jeder Benutzung kontrollieren die Benutzer selbst durch Sichtprüfung. Darüber hinaus prüft eine sachkundige Person die Ausrüstung nach Bedarf, mindestens jedoch einmal jährlich, und entscheidet über die weitere Verwendung. Die Prüfung wird dokumentiert, üblicherweise in einer Prüfkarte je Ausrüstungsteil.
Ein Lehrgang vermittelt solides Grundwissen und Übungspraxis. Die betriebliche Unterweisung muss aber Ihre Einsatzorte, Anschlagpunkte, Rettungsmittel und Alarmwege abdecken. Nutzen Sie den Lehrgang als Baustein und ergänzen Sie die betriebsspezifischen Inhalte.
Mit Lehrwerk umsetzen
Unterweisung PSA gegen Absturz digital durchführen und nachweisen
Mit Lehrwerk bereiten Sie die Theorie aus Ihrer Gefährdungsbeurteilung, dem Rettungskonzept und den Herstellerinformationen auf: Systemaufbau, Anschlagpunkte, Freiraum, Sichtprüfung und Rettungsablauf, mit Quellenangabe und Abschlusstest. Szenarien üben Entscheidungen wie „Ist dieser Punkt als Anschlag geeignet?“. Anlegen, Anschlagen und die Rettungsübung bleiben praktische Termine vor Ort, die Sie zusätzlich dokumentieren. Lehrwerk hält den Theorieteil pro Person mit Ergebnis fest, erinnert an die jährliche Wiederholung und zeigt, wer noch offen ist.
- Kurs aus Ihren eigenen Unterlagen, mit Quellenangabe
- Zuweisung mit Frist, Erinnerung und Wiederholung
- Test und Kenntnisnahme pro Person
- Nachweis mit Zertifikat und QR-Code
Keine Rechtsberatung. Diese Seite gibt einen sorgfältig recherchierten Überblick (Stand: Oktober 2026). Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften in ihrer aktuellen Fassung, Ihre Gefährdungsbeurteilung und die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt und Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.
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