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Gesundheit und Hygiene

Unterweisung Lärm: Pflichten nach LärmVibrationsArbSchV

Lärmschwerhörigkeit entsteht schleichend und ist nicht heilbar. Sobald am Arbeitsplatz die unteren Auslösewerte erreicht werden, verlangt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung eine Unterweisung – zu den Gefahren, zu Schutzmaßnahmen und zum richtigen Gebrauch von Gehörschutz.
Aktualisiert am 21. Oktober 2026
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Worum es geht

Lärm schädigt die Haarzellen im Innenohr. Der Schaden summiert sich über Jahre, schmerzt nicht und wird oft erst bemerkt, wenn Gespräche in Gesellschaft schwerfallen oder ein Tinnitus bleibt. Lärmschwerhörigkeit zählt seit Jahrzehnten zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten.

Typische Lärmarbeitsplätze finden sich in Metallbearbeitung, Holzverarbeitung, Bau, Druckereien, Getränkeabfüllung, Landwirtschaft und Veranstaltungstechnik. Aber auch einzelne laute Tätigkeiten – Trennschleifen, Hämmern, Druckluftausblasen – können die Tagesdosis schnell über die Auslösewerte bringen.

Die Unterweisung erklärt, warum Gehörschutz auch bei kurzen lauten Arbeiten nötig ist, wie er richtig eingesetzt wird und welche technischen und organisatorischen Maßnahmen Vorrang haben. Gehörschutz gegen schädlichen Lärm gehört zur PSA der Kategorie III – siehe auch persönliche Schutzausrüstung.

Rechtsgrundlagen

Diese Vorschriften und Regeln bestimmen, ob, wann und wie unterwiesen werden muss.
§ 11 LärmVibrationsArbSchVUnterweisung der Beschäftigten
Werden die unteren Auslösewerte erreicht oder überschritten, stellt der Arbeitgeber sicher, dass die Beschäftigten eine Unterweisung erhalten – unter anderem zu Art der Gefährdung, Schutzmaßnahmen, Auslösewerten, Ergebnissen der Messungen, dem Gebrauch von Gehörschutz, dem Erkennen von Gehörschäden und der arbeitsmedizinischen Vorsorge. Sie erfolgt vor Aufnahme der Tätigkeit und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens jährlich.
§ 6 LärmVibrationsArbSchVAuslösewerte
Untere Auslösewerte: Tages-Lärmexpositionspegel 80 dB(A), Spitzenschalldruckpegel 135 dB(C). Obere Auslösewerte: 85 dB(A) und 137 dB(C).
§§ 7, 8 LärmVibrationsArbSchVLärmbereiche und Gehörschutz
Ab den unteren Auslösewerten stellt der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung. Ab den oberen Auslösewerten sind Lärmbereiche zu kennzeichnen und die Beschäftigten müssen den Gehörschutz bestimmungsgemäß benutzen.
ArbMedVV, Anhang Teil 3Arbeitsmedizinische Vorsorge
Bei Erreichen oder Überschreiten der unteren Auslösewerte ist Angebotsvorsorge vorgesehen, bei Erreichen oder Überschreiten der oberen Auslösewerte Pflichtvorsorge.
§ 31 DGUV Vorschrift 1Übungen bei Kategorie-III-PSA
Gehörschutz gegen schädlichen Lärm schützt vor bleibenden Gesundheitsschäden. Die Benutzung ist deshalb in Unterweisungen mit Übungen zu vermitteln.

Wer, wann und wie oft

Zu unterweisen sind alle Beschäftigten, bei denen die Gefährdungsbeurteilung oder Messung ergibt, dass die unteren Auslösewerte erreicht oder überschritten werden. Das gilt auch für Leiharbeitskräfte, Auszubildende und Beschäftigte, die nur zeitweise in Lärmbereichen arbeiten, etwa Instandhaltung oder Reinigung.

Die Unterweisung erfolgt vor Aufnahme der Tätigkeit und mindestens jährlich. Zusätzlich unterweisen Sie, wenn sich Lärmquellen, Messergebnisse oder der bereitgestellte Gehörschutz ändern.

Nach § 11 Abs. 3 LärmVibrationsArbSchV gehört bei Überschreiten der unteren Auslösewerte außerdem eine allgemeine arbeitsmedizinische Beratung dazu, unter Beteiligung der Betriebsärztin oder des Betriebsarztes, soweit das aus medizinischen Gründen erforderlich ist.

Intervall

Vor Aufnahme der Tätigkeit, danach mindestens jährlich

Inhalte der Unterweisung Lärm: Checkliste

Nutzen Sie die Punkte als Gliederung. Ergänzen Sie, was Ihre Gefährdungsbeurteilung und Ihre Betriebsanweisungen zusätzlich verlangen.

Gefährdung verstehen

  • Wie Lärm das Gehör schädigt und warum der Schaden bleibt
  • Auslösewerte 80 und 85 dB(A) und was sie für den eigenen Arbeitsplatz bedeuten
  • Messergebnisse und Lärmkataster des Betriebs
  • Zusätzliche Wirkungen: Stress, Konzentration, überhörte Warnsignale

Schutzmaßnahmen

  • Technische Maßnahmen zuerst: Kapselung, Dämpfung, leisere Verfahren
  • Organisatorisch: laute Arbeiten bündeln, Abstand, Aufenthaltszeiten begrenzen
  • Kennzeichnung von Lärmbereichen und Tragepflicht
  • Warum schon kurze Pausen ohne Gehörschutz die Schutzwirkung stark mindern

Gehörschutz richtig benutzen

  • Arten: Stöpsel, Bügelstöpsel, Kapselgehörschutz, Otoplastiken
  • Formbare Stöpsel richtig rollen und einsetzen, Sitz prüfen
  • Kapseln mit Brille oder Helm kombinieren, Dichtkissen prüfen
  • Hygiene, Wechselintervalle und Prüfung von Otoplastiken

Gesundheit und Vorsorge

  • Warnzeichen: Ohrgeräusche, dumpfes Hören nach der Schicht
  • Angebots- und Pflichtvorsorge, Hörtests
  • Lärm in der Freizeit: Konzerte, Kopfhörer, Heimwerken
  • Ansprechpersonen bei Beschwerden

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Gehörschutz nur ausgeben, nicht üben

    Falsch eingesetzte Stöpsel dämpfen nur einen Bruchteil des angegebenen Werts. Das Einsetzen muss praktisch gezeigt und geübt werden.

  • Kurze laute Arbeiten unterschätzen

    „Nur fünf Minuten Flexen“ kann bei sehr hohen Pegeln einen großen Teil der Tagesdosis ausmachen. Erklären Sie, warum Gehörschutz auch bei kurzen Tätigkeiten aufgesetzt wird.

  • Keine Messwerte nennen

    Beschäftigte sollen wissen, wie laut ihr Arbeitsplatz ist. Die Unterweisung nach § 11 umfasst ausdrücklich die Ergebnisse der Ermittlungen und Messungen.

  • Überdämpfung ignorieren

    Zu stark dämmender Gehörschutz isoliert, Warnsignale werden überhört – und er wird eher abgenommen. Die Auswahl sollte zum Pegel passen.

So dokumentieren Sie die Unterweisung

Dokumentieren Sie, wer wann von wem unterwiesen wurde, welche Lärmbereiche und Messwerte behandelt wurden, welcher Gehörschutz bereitgestellt ist und dass das Einsetzen praktisch geübt wurde. Die unterwiesene Person bestätigt die Teilnahme.

Angebote und Durchführung der arbeitsmedizinischen Vorsorge dokumentieren Sie getrennt in der Vorsorgekartei. Für den Unterweisungsnachweis können Sie die Vorlage Unterweisungsnachweis nutzen.

Kostenlose Vorlage: Unterweisungsnachweis

Am Bildschirm ausfüllen, drucken oder als PDF speichern – mit „Lärm“ vorbelegt.

Vorlage öffnen

Beispielfragen für die Verständnisprüfung

Drei Fragen, wie sie in einem Abschlusstest stehen könnten. Wählen Sie eine Antwort, um die Erklärung zu sehen.

Frage 1

Ab welchem Tages-Lärmexpositionspegel ist eine Lärm-Unterweisung Pflicht?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Ab dem unteren Auslösewert von 80 dB(A) (oder 135 dB(C) Spitzenschalldruckpegel) verlangt § 11 LärmVibrationsArbSchV eine Unterweisung.

Frage 2

Warum sollten Sie Gehörschutz in Lärmbereichen ohne Unterbrechung tragen?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Die Lärmdosis summiert sich. Wenige Minuten ungeschützt bei hohem Pegel heben einen großen Teil der Schutzwirkung wieder auf.

Frage 3

Was ist ein typisches Warnzeichen für eine Überlastung des Gehörs?

Lösung und Erklärung

Antwort A: Klingeln, Rauschen oder dumpfes Hören nach Lärmeinwirkung zeigen eine Vertäubung. Wiederholt sich das, droht ein bleibender Schaden.

Häufige Fragen

Sobald die unteren Auslösewerte erreicht oder überschritten werden: 80 dB(A) Tages-Lärmexpositionspegel oder 135 dB(C) Spitzenschalldruckpegel. Die Unterweisung erfolgt vor Aufnahme der Tätigkeit und mindestens jährlich.

Ab 80 dB(A) muss der Arbeitgeber Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab dem oberen Auslösewert von 85 dB(A) müssen Beschäftigte ihn tragen, und Lärmbereiche sind zu kennzeichnen.

Die Inhalte zu Gefährdung, Auslösewerten, Messergebnissen und Vorsorge lassen sich gut digital vermitteln und prüfen. Das richtige Einsetzen von Gehörschutz sollte praktisch geübt werden. Mehr dazu im Ratgeber Online-Unterweisung.

Mit Lehrwerk umsetzen

Unterweisung Lärm digital durchführen und nachweisen

Lehrwerk erstellt aus Ihrem Lärmkataster, der Gefährdungsbeurteilung und der Gehörschutz-Auswahl einen kurzen Kurs je Arbeitsbereich: wie laut es wo ist, welcher Gehörschutz bereitsteht und wie er richtig sitzt. Ein Erklärvideo zeigt das Einsetzen von Stöpseln, Lernkarten mit Spaced Repetition festigen Auslösewerte und Warnzeichen. Die praktische Übung bleibt vor Ort; Lehrwerk weist den Kurs mit Frist zu, dokumentiert Testergebnis und Kenntnisnahme und erinnert an die jährliche Wiederholung.

  • Kurs aus Ihren eigenen Unterlagen, mit Quellenangabe
  • Zuweisung mit Frist, Erinnerung und Wiederholung
  • Test und Kenntnisnahme pro Person
  • Nachweis mit Zertifikat und QR-Code

Keine Rechtsberatung. Diese Seite gibt einen sorgfältig recherchierten Überblick (Stand: Oktober 2026). Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften in ihrer aktuellen Fassung, Ihre Gefährdungsbeurteilung und die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt und Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.

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