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Notfall, Personen und Organisation

Brandschutz-Unterweisung: Pflichten, Inhalte und Nachweis

Im Brandfall zählen die ersten Minuten – und die hängen davon ab, ob Ihre Beschäftigten Alarmwege, Fluchtwege und Feuerlöscher kennen. Die Brandschutzunterweisung betrifft deshalb ausnahmslos alle, vom Lager bis zur Geschäftsführung. Hier finden Sie Rechtsgrundlagen, Inhalte und den Weg zum sauberen Nachweis.
Aktualisiert am 19. Oktober 2026
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Worum es geht

Die Brandschutzunterweisung vermittelt, wie Brände im eigenen Betrieb entstehen können, wie man sie verhindert und was im Ernstfall zu tun ist: Brand melden, Menschen warnen, Entstehungsbrände löschen, wenn das gefahrlos möglich ist, und das Gebäude über die gekennzeichneten Wege verlassen. Grundlage sind die Gefährdungsbeurteilung und – falls vorhanden – die Brandschutzordnung Ihres Hauses.

Viele Betriebe trennen zwei Ebenen. Alle Beschäftigten erhalten die allgemeine Unterweisung zum Verhalten im Brandfall. Brandschutzhelferinnen und -helfer bekommen darüber hinaus eine Ausbildung mit praktischer Löschübung, damit sie im Ernstfall Entstehungsbrände bekämpfen und die Räumung unterstützen können.

Eine gute Brandschutzunterweisung ist konkret: Sie zeigt den Feuerlöscher im eigenen Flur, den Sammelplatz vor dem eigenen Gebäude und die Nummer, die im eigenen Haus gewählt wird. Allgemeine Folien aus dem Internet erfüllen diesen Anspruch selten.

Rechtsgrundlagen

Diese Vorschriften und Regeln bestimmen, ob, wann und wie unterwiesen werden muss.
§ 12 ArbSchGArbeitsschutzgesetz
Verpflichtet den Arbeitgeber, Beschäftigte ausreichend und angemessen über Sicherheit und Gesundheitsschutz zu unterweisen – bei der Einstellung, bei Veränderungen und regelmäßig wiederholt. Brandgefahren und das Verhalten im Notfall gehören dazu.
§ 10 ArbSchGArbeitsschutzgesetz
Der Arbeitgeber muss Maßnahmen zur Brandbekämpfung und Evakuierung treffen und Beschäftigte benennen, die diese Aufgaben übernehmen. Daraus ergibt sich die Pflicht, Brandschutzhelfer zu bestimmen und auszubilden.
ASR A2.2Technische Regel für Arbeitsstätten „Maßnahmen gegen Brände“
Konkretisiert Ausstattung mit Feuerlöschern, Unterweisung aller Beschäftigten und die Zahl der Brandschutzhelfer: in der Regel 5 % der Beschäftigten, bei erhöhter Brandgefährdung oder vielen Publikumsbesuchen mehr. Brandschutzhelfer werden zusätzlich mit praktischen Übungen im Umgang mit Feuerlöschern unterwiesen.
DGUV Information 205-023Brandschutzhelfer
Beschreibt Ausbildungsinhalte für Brandschutzhelfer mit theoretischem Teil und praktischer Löschübung und empfiehlt, die Ausbildung in Abständen von etwa drei bis fünf Jahren zu wiederholen.
§ 4 DGUV Vorschrift 1Grundsätze der Prävention
Verlangt die Unterweisung bei der Einstellung und danach mindestens einmal jährlich sowie deren Dokumentation. Für die allgemeine Brandschutzunterweisung bietet es sich an, sie in diese jährliche Unterweisung einzubinden.

Wer, wann und wie oft

Unterwiesen werden alle Beschäftigten einschließlich Teilzeitkräften, Aushilfen, Auszubildenden und Leiharbeitnehmern – Letztere gemeinsam mit dem Verleiher, die arbeitsplatzbezogene Unterweisung übernimmt der Entleiher. Besucher und Fremdfirmen erhalten eine Kurzeinweisung zu Alarmierung und Fluchtwegen.

Die erste Unterweisung findet vor Aufnahme der Tätigkeit statt, idealerweise am ersten Arbeitstag als Teil der Erstunterweisung. Danach wird sie mindestens jährlich wiederholt – das verlangen § 6 ArbStättV, der Brandverhütung und Verhalten im Brandfall ausdrücklich als Unterweisungsinhalt nennt, und § 4 DGUV Vorschrift 1. Zusätzlich unterweisen Sie anlassbezogen, etwa nach Umbauten, neuen Fluchtwegen, einem Brandereignis oder neuen brennbaren Stoffen.

Brandschutzhelfer benennen Sie in ausreichender Zahl, sodass in jeder Schicht und in jedem Gebäudeteil jemand erreichbar ist. Urlaub, Krankheit und Teilzeit müssen bei der Planung mitgedacht werden.

Intervall

Vor Aufnahme der Tätigkeit, danach mindestens jährlich

Inhalte der Unterweisung Brandschutz: Checkliste

Nutzen Sie die Punkte als Gliederung. Ergänzen Sie, was Ihre Gefährdungsbeurteilung und Ihre Betriebsanweisungen zusätzlich verlangen.

Brände verhindern

  • Typische Zündquellen im Betrieb: elektrische Geräte, Heißarbeiten, Akkus beim Laden, Rauchen
  • Lagerung brennbarer Stoffe und Verpackungen, Ordnung an Arbeitsplätzen und in Lagern
  • Mehrfachsteckdosen, beschädigte Kabel und private Elektrogeräte
  • Brandschutztüren: nie verkeilen, Schließbereich freihalten

Im Brandfall richtig handeln

  • Ruhe bewahren, Brand melden: interne Alarmierung und Notruf 112 mit den fünf W-Fragen
  • Gefährdete Personen warnen und mitnehmen, Menschen mit Einschränkungen unterstützen
  • Aufzüge nicht benutzen, Türen schließen, um Rauch zurückzuhalten
  • Sammelplatz aufsuchen und dort melden, damit Vermisste erkannt werden

Löschen – nur ohne Eigengefährdung

  • Standorte der Feuerlöscher und Wandhydranten im eigenen Bereich
  • Brandklassen und welcher Löscher wofür geeignet ist (z. B. Fettbrände, Elektrogeräte)
  • Löschtechnik: mit dem Wind, Flächenbrände von vorn, Tropf- und Fließbrände von oben nach unten, Löscher stoßweise einsetzen
  • Wann Löschen abgebrochen wird: Rauchentwicklung, Ausbreitung, versperrter Rückweg

Flucht- und Rettungswege

  • Flucht- und Rettungsplan lesen: eigener Standort, zwei Wege ins Freie
  • Sicherheitskennzeichnung und Sicherheitsbeleuchtung
  • Fluchtwege und Notausgänge ständig freihalten, nichts abstellen
  • Ablauf von Räumungsübungen und Rolle der Brandschutzhelfer

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Folien ohne Bezug zum Gebäude

    Wer nicht weiß, wo der nächste Feuerlöscher hängt oder wo sich der Sammelplatz befindet, hat die Unterweisung im Ernstfall nicht verstanden. Zeigen Sie Grundriss, Fluchtwegplan und Fotos aus dem eigenen Betrieb.

  • Brandschutzhelfer nur auf dem Papier

    Benannte Helfer, die längst in einem anderen Gebäude arbeiten oder nur vormittags da sind, decken die Schichten nicht ab. Prüfen Sie die Liste bei jeder Unterweisungsrunde.

  • Keine praktische Übung

    Die Bedienung eines Feuerlöschers lässt sich erklären, aber erst die Übung baut die Hemmung ab. Planen Sie für Brandschutzhelfer eine Löschübung ein, gern mit Übungslöschern oder einem Brandsimulator.

  • Räumungsübung ohne Auswertung

    Eine Übung, nach der niemand Zeiten, Probleme und vergessene Bereiche festhält, bringt wenig. Halten Sie Ergebnisse fest und passen Sie Unterweisung und Brandschutzordnung an.

  • Neue Beschäftigte vergessen

    Wer im laufenden Jahr eingestellt wird, fällt bei einer festen jährlichen Sammelunterweisung leicht durch. Die Brandschutzunterweisung gehört in den ersten Arbeitstag.

So dokumentieren Sie die Unterweisung

Dokumentieren Sie Datum, Inhalte, unterweisende Person und die Teilnehmenden mit Unterschrift oder digitaler Bestätigung. Für Brandschutzhelfer halten Sie zusätzlich Ausbildung, Datum der praktischen Übung und die Benennung fest. Eine kostenlose Vorlage finden Sie unter Unterweisungsnachweis.

Räumungsübungen protokollieren Sie getrennt: Datum, beteiligte Bereiche, Räumungszeit, festgestellte Mängel und Maßnahmen. Welche Angaben ein belastbarer Nachweis enthalten sollte, lesen Sie im Ratgeber Unterweisungsnachweis.

Kostenlose Vorlage: Unterweisungsnachweis

Am Bildschirm ausfüllen, drucken oder als PDF speichern – mit „Brandschutz“ vorbelegt.

Vorlage öffnen

Beispielfragen für die Verständnisprüfung

Drei Fragen, wie sie in einem Abschlusstest stehen könnten. Wählen Sie eine Antwort, um die Erklärung zu sehen.

Frage 1

In einem Büro brennt ein Papierkorb, der Rauch ist noch gering. Was tun Sie zuerst?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Erst melden, dann löschen: So ist Hilfe unterwegs, falls der Löschversuch scheitert. Ein geöffnetes Fenster führt dem Feuer Sauerstoff zu.

Frage 2

Warum dürfen Brandschutztüren nicht mit einem Keil offen gehalten werden?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Eine verkeilte Brandschutztür kann im Brandfall nicht schließen. Rauch breitet sich dann ungehindert im Gebäude und in den Fluchtwegen aus.

Frage 3

Was gilt für den Aufzug im Brandfall?

Lösung und Erklärung

Antwort C: Aufzüge können bei Stromausfall stecken bleiben oder in verrauchte Geschosse fahren. Fluchtwege führen über Treppenräume und Notausgänge.

Häufige Fragen

Vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens jährlich: § 6 ArbStättV verlangt die jährliche Wiederholung der Unterweisung, zu der Brandverhütung und Verhalten im Brandfall gehören, ebenso § 4 DGUV Vorschrift 1. Bei Umbauten, neuen Gefährdungen oder nach einem Brand unterweisen Sie zusätzlich. Mehr zu Fristen im Ratgeber Wie oft muss unterwiesen werden?.

Die ASR A2.2 nennt als Richtwert 5 % der Beschäftigten. Bei erhöhter Brandgefährdung, vielen ortsunkundigen Personen oder ausgedehnten Gebäuden kann die Gefährdungsbeurteilung mehr erfordern. Entscheidend ist, dass in jeder Schicht und in jedem Bereich ausreichend ausgebildete Personen anwesend sind.

Der theoretische Teil – Brandursachen, Alarmierung, Fluchtwege, Brandklassen – eignet sich gut für eine digitale Unterweisung mit Verständnistest. Die praktische Handhabung des Feuerlöschers und die Begehung der Fluchtwege sollten vor Ort stattfinden. Wie Sie beides kombinieren, lesen Sie im Ratgeber Online-Unterweisung.

Nein. Die Unterweisung richtet sich an alle Beschäftigten und vermittelt das richtige Verhalten. Die Brandschutzhelfer-Ausbildung geht weiter: Sie umfasst Löschtechnik, Aufgaben bei der Räumung und eine praktische Übung und wird von benannten Personen absolviert. Die jährliche Unterweisung ersetzt die Ausbildung nicht.

Mit Lehrwerk umsetzen

Unterweisung Brandschutz digital durchführen und nachweisen

Laden Sie Brandschutzordnung, Flucht- und Rettungsplan und Gefährdungsbeurteilung hoch – Lehrwerk erstellt daraus eine Unterweisung mit Quellenangabe, Erklärvideo mit deutscher Sprecherstimme und Abschlusstest. Sie weisen sie allen Beschäftigten mit Frist zu, Lehrwerk erinnert per E-Mail und wiederholt die Zuweisung jährlich. Die Löschübung und die Begehung der Fluchtwege finden weiter vor Ort statt; der digitale Nachweis enthält Testergebnis, Kenntnisnahme und die geltende Kursversion.

  • Kurs aus Ihren eigenen Unterlagen, mit Quellenangabe
  • Zuweisung mit Frist, Erinnerung und Wiederholung
  • Test und Kenntnisnahme pro Person
  • Vorlage „Brandschutzunterweisung“ enthalten

Keine Rechtsberatung. Diese Seite gibt einen sorgfältig recherchierten Überblick (Stand: Oktober 2026). Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften in ihrer aktuellen Fassung, Ihre Gefährdungsbeurteilung und die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt und Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.

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