Fahrzeuge, Flurförderzeuge und Transport
Unterweisung Mitgänger-Flurförderzeuge und Hubwagen
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Worum es geht
Mitgänger-Flurförderzeuge werden von einer Person gesteuert, die nebenher geht: elektrische Niederhubwagen, Deichselstapler, Schlepper mit Deichsel. Dazu kommen handbetriebene Hubwagen, die fast jeder Betrieb mit Wareneingang besitzt. Gemeinsam ist ihnen, dass die Bedienperson ungeschützt neben oder vor einer schweren Last steht.
Typische Unfälle sind Füße unter Rädern oder Gabel, Hände zwischen Deichsel und Regal, Anfahren von Personen in engen Gängen und das Abrutschen über Rampenkanten. Hinzu kommen Rückenbelastungen beim Ziehen und Schieben schwerer Lasten mit Handhubwagen.
Für Geräte mit klappbarer Standplattform, die auch mitfahrend bedient werden, können strengere Anforderungen gelten als für reine Mitgänger-Geräte – bis hin zu einer Ausbildung wie für Fahrer von Flurförderzeugen mit Fahrerstand. Klären Sie die Einordnung Ihrer Geräte mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Rechtsgrundlagen
- § 12 BetrSichVBetriebssicherheitsverordnung
- Wer Arbeitsmittel verwendet, ist vor der ersten Verwendung und danach in regelmäßigen Abständen, mindestens jährlich, über Gefährdungen und Schutzmaßnahmen zu unterweisen. Grundlage ist eine Betriebsanweisung, die die Herstellerangaben berücksichtigt.
- DGUV Vorschrift 68Unfallverhütungsvorschrift „Flurförderzeuge“
- Regelt Bau, Betrieb und Prüfung von Flurförderzeugen. Für Geräte mit Fahrersitz oder Fahrerstand verlangt § 7 eine Ausbildung und schriftliche Beauftragung; für reine Mitgänger-Geräte sollten Eignung, Unterweisung und Beauftragung ebenfalls geregelt und dokumentiert sein.
- § 12 ArbSchGArbeitsschutzgesetz
- Allgemeine Pflicht zur ausreichenden und angemessenen Unterweisung bei Einstellung, Veränderungen und neuen Arbeitsmitteln – also auch beim ersten Einsatz eines neuen Hubwagens oder Deichselgeräts.
- LasthandhabVLastenhandhabungsverordnung
- Verlangt, Gefährdungen beim manuellen Bewegen von Lasten zu beurteilen und zu verringern. Für Handhubwagen sind deshalb auch Zieh- und Schiebekräfte, Bodenbeschaffenheit und Körperhaltung Thema der Unterweisung.
- § 4 DGUV Vorschrift 1Grundsätze der Prävention
- Verlangt die Unterweisung vor Aufnahme der Tätigkeit und danach mindestens einmal jährlich sowie deren Dokumentation.
Wer, wann und wie oft
Unterwiesen werden alle, die Hubwagen oder Mitgänger-Flurförderzeuge bedienen – im Lager, in der Produktion, im Einzelhandel und im Wareneingang von Büro- und Pflegebetrieben. Auch Aushilfen, Saisonkräfte und Leiharbeitskräfte brauchen die Unterweisung vor dem ersten Einsatz, weil sie die Geräte oft unter Zeitdruck bedienen.
Für motorisch angetriebene Mitgänger-Geräte empfiehlt sich zusätzlich eine schriftliche Beauftragung, aus der hervorgeht, wer welche Geräte bedienen darf. Wiederholt wird die Unterweisung mindestens jährlich (§ 12 BetrSichV, § 4 DGUV Vorschrift 1) sowie bei neuen Geräten, geänderten Verkehrswegen oder nach Unfällen. Welche Fristen sonst gelten, lesen Sie unter Wie oft muss unterwiesen werden?.
Intervall
Vor der ersten Benutzung, danach mindestens jährlichInhalte der Unterweisung Mitgänger-Flurförderzeuge und Hubwagen: Checkliste
Vor der Benutzung
- Sichtprüfung: Räder, Gabel, Deichsel, Hydraulik auf Leckagen
- Funktion von Fahrschalter, Bremse und Hupe prüfen
- Not-Aus und Bauchtaste (Sicherheitsschalter am Deichselkopf) kennen und testen
- Defekte Geräte kennzeichnen und nicht benutzen
Bedienen und Fahren
- Gerät an der Deichsel führen, seitlich gehen, Abstand zu Füßen halten
- Langsames Fahren in engen Gängen, an Ecken und Toren
- Sicherheitsschuhe mit Zehenschutz tragen
- Keine Personen auf Gabel oder Plattform mitfahren lassen
- Mit Standplattform: nur fahren, wenn das Gerät dafür vorgesehen und die Person beauftragt ist
Lasten und Rampen
- Tragfähigkeit auf dem Typenschild beachten
- Gabeln vollständig unter die Palette fahren, Last mittig aufnehmen
- Rampen und Ladebrücken nur mit gesicherter Brücke und angemessener Neigung befahren
- Auf Gefälle nie talseitig vor das Gerät treten, Herstellervorgaben zu Steigungen und Gefällen beachten
Abstellen und Laden
- Gabel ganz absenken, Gerät nicht in Fluchtwegen oder vor Feuerlöschern abstellen
- Schlüssel abziehen bzw. gegen unbefugte Benutzung sichern
- Batterien nur an vorgesehenen Ladeplätzen laden, Ladekabel auf Schäden prüfen
Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden
Hubwagen gelten als „kein Gerät“
Handhubwagen werden häufig gar nicht unterwiesen. Gerade dort entstehen Fußverletzungen und Rückenbeschwerden, weil niemand die richtige Zug- und Schiebetechnik gezeigt hat.
Standplattform ohne Klärung
Wird ein Mitgänger-Gerät regelmäßig auf der Plattform stehend gefahren, ändern sich die Anforderungen an Ausbildung und Beauftragung. Lassen Sie die Einordnung prüfen, bevor es zur Gewohnheit wird.
Bauchtaste überbrückt
Sicherheitsschalter, die mit Klebeband oder Kabelbindern außer Funktion gesetzt sind, findet man in vielen Lagern. Die Unterweisung sollte erklären, wovor die Bauchtaste schützt, und Manipulationen klar untersagen.
Ungesicherte Ladebrücken
Hubwagen rollen über nicht eingehängte oder zu steile Ladebrücken in den Spalt zum Lkw. Machen Sie das Sichern der Brücke und das Prüfen des Lkw-Abstands zum festen Inhalt.
So dokumentieren Sie die Unterweisung
Dokumentieren Sie Datum, Inhalte, Gerätetypen, unterweisende Person und die Bestätigung der Teilnehmenden. Wenn Sie für Mitgänger-Geräte eine Beauftragung aussprechen, legen Sie sie zur Unterweisung in die Personalakte oder in Ihr Nachweissystem.
Eine kostenlose Vorlage für den Unterweisungsnachweis können Sie direkt im Browser ausfüllen und drucken. Hinweise zu Pflichtangaben und Aufbewahrung finden Sie im Ratgeber Unterweisungsnachweis.
Kostenlose Vorlage: Unterweisungsnachweis
Am Bildschirm ausfüllen, drucken oder als PDF speichern – mit „Mitgänger-Flurförderzeuge und Hubwagen“ vorbelegt.
Beispielfragen für die Verständnisprüfung
Frage 1
Wozu dient die Bauchtaste am Deichselkopf eines elektrischen Hubwagens?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Die Bauchtaste schützt vor dem Einklemmen beim Rückwärtsgehen. Sie darf nie überbrückt werden.
Frage 2
Wie gehen Sie mit einem beladenen Hubwagen eine Rampe abwärts?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Wer abwärts vor einer schweren Last geht, kann bei nachlassender Bremswirkung überrollt werden.
Frage 3
Welche Schutzausrüstung ist beim Bedienen von Hubwagen in der Regel vorgeschrieben?
Lösung und Erklärung
Antwort B: Quetschungen der Füße gehören zu den typischen Verletzungen. Welche PSA genau nötig ist, legt Ihre Gefährdungsbeurteilung fest.
Häufige Fragen
Für reine Mitgänger-Geräte ist eine Ausbildung wie beim Gabelstapler in der Regel nicht vorgeschrieben – wohl aber eine Unterweisung und eine Einweisung in das Gerät. Wird das Gerät mit Standplattform mitfahrend benutzt, können weitergehende Anforderungen gelten. Klären Sie das mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Ja. Auch handbetriebene Hubwagen sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Die Unterweisung kann kurz sein, sollte aber Tragfähigkeit, die richtige Zieh- und Schiebetechnik, Rampen und Fußschutz abdecken.
Vor der ersten Benutzung und danach mindestens jährlich, wie es § 12 BetrSichV und § 4 DGUV Vorschrift 1 vorsehen. Meist wird sie in die jährliche Lagerunterweisung integriert. Neue Geräte oder Unfälle sind Anlass für eine zusätzliche Unterweisung.
Ja, das ist praktisch, wenn dieselben Personen beide Geräte nutzen. Achten Sie darauf, dass die Unterschiede klar werden und der Nachweis die Gerätetypen nennt. Für Staplerfahrer finden Sie Inhalte auf der Seite Unterweisung Gabelstapler.
Mit Lehrwerk umsetzen
Unterweisung Mitgänger-Flurförderzeuge und Hubwagen digital durchführen und nachweisen
Lehrwerk erstellt aus Betriebsanweisungen und Herstellerhandbüchern Ihrer Geräte eine kurze, bildhafte Unterweisung mit Erklärvideo und Entscheidungsübungen – etwa zur Rampe oder zur Bauchtaste. Für Saison- und Leiharbeitskräfte weisen Sie den Kurs vor dem ersten Einsatz zu; die Wiederholung legt Lehrwerk automatisch an. Die Einweisung am Gerät bleibt vor Ort. Der Nachweis zeigt pro Person Testergebnis, Zeitpunkt und Kenntnisnahme.
- Kurs aus Ihren eigenen Unterlagen, mit Quellenangabe
- Zuweisung mit Frist, Erinnerung und Wiederholung
- Test und Kenntnisnahme pro Person
- Nachweis mit Zertifikat und QR-Code
Keine Rechtsberatung. Diese Seite gibt einen sorgfältig recherchierten Überblick (Stand: Oktober 2026). Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften in ihrer aktuellen Fassung, Ihre Gefährdungsbeurteilung und die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt und Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.
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