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Notfall, Personen und Organisation

Unterweisung Jugendlicher und Auszubildender nach § 29 JArbSchG

Jugendliche erkennen Gefahren oft noch nicht, weil ihnen Erfahrung fehlt. Das Jugendarbeitsschutzgesetz verlangt deshalb mehr als bei Erwachsenen: eine Unterweisung vor Beginn der Beschäftigung und eine Wiederholung mindestens alle sechs Monate.
Aktualisiert am 19. Oktober 2026
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Worum es geht

Als Jugendliche gelten nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz Personen, die 15, aber noch nicht 18 Jahre alt sind. Für sie gelten besondere Schutzvorschriften: Arbeitszeitgrenzen, Beschäftigungsverbote für gefährliche Arbeiten, ärztliche Untersuchungen und eine verschärfte Unterweisungspflicht. Die halbjährliche Wiederholung ist die wichtigste Abweichung von der jährlichen Unterweisung Erwachsener.

Die Unterweisung Jugendlicher ist kein eigenes Fachthema, sondern ein Rahmen: Sie umfasst alle Gefahren, denen die Jugendlichen bei ihrer Beschäftigung ausgesetzt sind – vom Bildschirmarbeitsplatz über Maschinen bis zu Gefahrstoffen. Vor der ersten Arbeit an Maschinen, gefährlichen Arbeitsstellen oder mit gesundheitsgefährdenden Stoffen kommt eine spezielle Unterweisung zu deren besonderen Gefahren hinzu.

Didaktisch braucht diese Gruppe mehr als eine Unterschrift unter einer Folienpräsentation. Kurze Einheiten, praktische Vorführungen, Beispiele aus dem eigenen Betrieb und Fragen, die das Verständnis prüfen, wirken besser. Die Ausbilderinnen und Ausbilder sind dabei die wichtigsten Ansprechpersonen.

Rechtsgrundlagen

Diese Vorschriften und Regeln bestimmen, ob, wann und wie unterwiesen werden muss.
§ 29 JArbSchGUnterweisung über Gefahren
Der Arbeitgeber unterweist Jugendliche vor Beginn der Beschäftigung und bei wesentlicher Änderung der Arbeitsbedingungen über Unfall- und Gesundheitsgefahren sowie Schutzeinrichtungen und -maßnahmen; vor der ersten Arbeit an Maschinen, gefährlichen Arbeitsstellen oder mit gesundheitsgefährdenden Stoffen zusätzlich über deren besondere Gefahren. Die Unterweisungen sind in angemessenen Abständen, mindestens halbjährlich, zu wiederholen.
§ 28a JArbSchGBeurteilung der Arbeitsbedingungen
Vor Beginn der Beschäftigung Jugendlicher und bei wesentlicher Änderung der Arbeitsbedingungen beurteilt der Arbeitgeber die damit verbundenen Gefährdungen. Diese Beurteilung ist die Grundlage für die Inhalte der Unterweisung.
§ 22 JArbSchGGefährliche Arbeiten
Verbietet die Beschäftigung Jugendlicher mit Arbeiten, die ihre Leistungsfähigkeit übersteigen oder Unfallgefahren bergen, die sie mangels Erfahrung nicht erkennen, sowie mit bestimmten Gefahrstoffen, Lärm oder Hitze. Ausnahmen gelten unter anderem, soweit dies zur Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich ist und die Aufsicht durch eine fachkundige Person gewährleistet ist.
§ 12 ArbSchG, § 4 DGUV Vorschrift 1Allgemeine Unterweisungspflicht
Gelten für alle Beschäftigten und damit auch für Auszubildende ab 18. Für sie genügt nach der DGUV Vorschrift 1 die mindestens jährliche Wiederholung, sofern keine anderen Vorschriften kürzere Abstände verlangen.

Wer, wann und wie oft

Die halbjährliche Unterweisung gilt für alle Beschäftigten unter 18 Jahren: Auszubildende, Praktikantinnen und Praktikanten, Schülerinnen und Schüler im Ferienjob sowie jugendliche Aushilfen. Maßgeblich ist das Alter, nicht die Vertragsform. Mit dem 18. Geburtstag gilt der normale Rhythmus nach DGUV Vorschrift 1 – mindestens jährlich.

Der erste Termin liegt vor Beginn der Beschäftigung, in der Praxis am ersten Ausbildungstag, gefolgt von der speziellen Unterweisung vor der ersten Arbeit an Maschinen oder mit Gefahrstoffen. Danach wiederholen Sie mindestens alle sechs Monate und zusätzlich bei wesentlichen Änderungen, etwa beim Wechsel in eine andere Abteilung. Wie Sie den Start strukturieren, beschreibt der Ratgeber zur Erstunterweisung.

Weil Auszubildende in mehreren Abteilungen eingesetzt werden, muss jede Station die dort relevanten Gefahren abdecken. Bewährt hat sich ein Plan, der Geburtstage, Abteilungswechsel und Fälligkeiten zusammenführt – etwa im Unterweisungsplan.

Intervall

Vor Beschäftigungsbeginn, danach mindestens halbjährlich

Inhalte der Unterweisung Jugendliche und Auszubildende: Checkliste

Nutzen Sie die Punkte als Gliederung. Ergänzen Sie, was Ihre Gefährdungsbeurteilung und Ihre Betriebsanweisungen zusätzlich verlangen.

Start der Ausbildung

  • Ansprechpersonen: Ausbilder, Vorgesetzte, Ersthelfer, Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Rechte und Pflichten im Arbeitsschutz, Recht auf Rückfragen
  • Verkehrswege, Notfallorganisation, Fluchtwege und Sammelplatz
  • Persönliche Schutzausrüstung: welche, wann, wie getragen
  • Verhalten bei Unfällen und Meldung von Beinahe-Unfällen

Arbeitsplatz und Tätigkeiten

  • Gefahren der konkreten Arbeitsplätze laut Gefährdungsbeurteilung nach § 28a JArbSchG
  • Maschinen: nur nach spezieller Unterweisung und mit Freigabe bedienen
  • Gefahrstoffe: Kennzeichnung, Betriebsanweisungen, Hautschutz
  • Heben und Tragen, Lärm, Bildschirmarbeit

Grenzen für Jugendliche

  • Welche Arbeiten verboten sind und welche nur unter fachkundiger Aufsicht erlaubt sind
  • Arbeitszeit, Pausen und Ruhezeiten nach JArbSchG im Überblick
  • Stapler und andere Flurförderzeuge mit Fahrersitz oder Fahrerstand selbstständig erst ab 18 – Ausnahmen nur zur Ausbildung unter Aufsicht
  • Alkohol, Drogen und Ablenkung durch das Smartphone am Arbeitsplatz

Wiederholung und Wechsel

  • Halbjährliche Wiederholung mit Verständnisfragen
  • Zusätzliche Unterweisung beim Abteilungswechsel
  • Erfahrungen und Beinahe-Unfälle der letzten Monate besprechen
  • Übergang zum jährlichen Rhythmus nach dem 18. Geburtstag festhalten

Typische Fehler – und wie Sie sie vermeiden

  • Jährlich statt halbjährlich

    Jugendliche werden in die jährliche Unterweisung der Belegschaft einsortiert. § 29 JArbSchG verlangt aber mindestens halbjährliche Wiederholungen.

  • Spezielle Maschinenunterweisung fehlt

    Die allgemeine Unterweisung fand statt, aber vor der ersten Arbeit an der Kreissäge oder Presse gab es keine eigene Einweisung zu deren besonderen Gefahren.

  • Praktikanten und Ferienjobs vergessen

    Wer nur zwei Wochen im Betrieb ist, wird oft gar nicht unterwiesen. Die Pflicht gilt vor Beginn der Beschäftigung, unabhängig von der Dauer.

  • Abteilungswechsel ohne Unterweisung

    Azubis rotieren durch Lager, Werkstatt und Büro. Jede neue Station bringt neue Gefahren, die vor dem Einsatz erklärt werden müssen.

  • Reine Frontalveranstaltung

    Eine lange Präsentation ohne Rückfragen und Übung bleibt bei Jugendlichen kaum hängen. Kurze Einheiten mit Praxisbezug und Verständnisfragen wirken deutlich besser.

So dokumentieren Sie die Unterweisung

Halten Sie jede Unterweisung mit Datum, Inhalten, unterweisender Person und Bestätigung der oder des Jugendlichen fest. Vermerken Sie die spezielle Unterweisung vor der ersten Arbeit an Maschinen oder mit Gefahrstoffen gesondert, damit sie bei einer Prüfung eindeutig belegt ist. Eine druckbare Vorlage Unterweisungsnachweis steht kostenlos zur Verfügung.

Überwachen Sie die Fälligkeiten je Person mit dem Geburtsdatum, damit der halbjährliche Rhythmus eingehalten und nach dem 18. Geburtstag sauber umgestellt wird. Allgemeine Hinweise zu Inhalt und Aufbewahrung finden Sie im Ratgeber Unterweisungsnachweis.

Kostenlose Vorlage: Unterweisungsnachweis

Am Bildschirm ausfüllen, drucken oder als PDF speichern – mit „Jugendliche und Auszubildende“ vorbelegt.

Vorlage öffnen

Beispielfragen für die Verständnisprüfung

Drei Fragen, wie sie in einem Abschlusstest stehen könnten. Wählen Sie eine Antwort, um die Erklärung zu sehen.

Frage 1

Wie oft muss eine 16-jährige Auszubildende mindestens unterwiesen werden?

Lösung und Erklärung

Antwort B: § 29 JArbSchG verlangt Wiederholungen in angemessenen Abständen, mindestens aber halbjährlich.

Frage 2

Ein Azubi soll zum ersten Mal an der Ständerbohrmaschine arbeiten. Was muss vorher passieren?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Vor der erstmaligen Beschäftigung an Maschinen ist nach § 29 Abs. 1 JArbSchG eine spezielle Unterweisung zu deren Gefahren vorgeschrieben.

Frage 3

Ab wann gilt für eine Auszubildende der jährliche Unterweisungsrhythmus?

Lösung und Erklärung

Antwort B: Die halbjährliche Pflicht knüpft an das Alter an. Ab 18 genügt nach DGUV Vorschrift 1 die mindestens jährliche Wiederholung.

Häufige Fragen

Ja, wenn sie unter 18 sind und im Betrieb beschäftigt werden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz knüpft an das Alter an. Bei kurzen Praktika findet die Unterweisung vor Beginn statt; eine Wiederholung wird nur fällig, wenn das Praktikum länger als sechs Monate dauert oder sich die Arbeitsbedingungen wesentlich ändern.

Als Ergänzung ja, als alleinige Form nur mit Vorsicht. Gerade bei Jugendlichen sind persönliche Ansprache, praktische Vorführungen und Rückfragen wichtig; die spezielle Unterweisung an Maschinen findet ohnehin am Arbeitsplatz statt. Digitale Einheiten eignen sich gut für Grundlagen, Wiederholung und Verständnistests. Mehr im Ratgeber Online-Unterweisung.

Nein. Die ärztliche Untersuchung nach §§ 32 ff. JArbSchG ist eine eigene Voraussetzung für die Beschäftigung Jugendlicher und prüft die gesundheitliche Eignung. Die Unterweisung nach § 29 informiert über Gefahren und Schutzmaßnahmen. Beide Pflichten bestehen nebeneinander.

Verantwortlich ist der Arbeitgeber. Durchgeführt wird die Unterweisung meist von Ausbilderinnen und Ausbildern oder den Vorgesetzten der jeweiligen Abteilung, unterstützt durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit. Nach § 29 Abs. 3 JArbSchG sind Betriebsarzt und Fachkraft für Arbeitssicherheit an Planung und Durchführung zu beteiligen.

Mit Lehrwerk umsetzen

Unterweisung Jugendliche und Auszubildende digital durchführen und nachweisen

Lehrwerk erstellt aus Ihren Betriebsanweisungen und dem Ausbildungshandbuch kurze Lerneinheiten mit Erklärvideos, Lernkarten und Szenarien, in denen Azubis Entscheidungen treffen. Sie weisen die Kurse der Gruppe Ihrer Auszubildenden mit Frist zu und stellen die Wiederholung im festgelegten Abstand von sechs Monaten ein; Lehrwerk erinnert per E-Mail und zeigt in der Nachweis-Matrix, wer fällig ist. Der KI-Tutor beantwortet Fragen aus Ihren Unterlagen. Die praktische Einweisung an Maschinen bleibt beim Ausbilder vor Ort.

  • Kurs aus Ihren eigenen Unterlagen, mit Quellenangabe
  • Zuweisung mit Frist, Erinnerung und Wiederholung
  • Test und Kenntnisnahme pro Person
  • Vorlage „Arbeitsschutz – Jährliche Grundunterweisung“ enthalten

Keine Rechtsberatung. Diese Seite gibt einen sorgfältig recherchierten Überblick (Stand: Oktober 2026). Maßgeblich sind die geltenden Vorschriften in ihrer aktuellen Fassung, Ihre Gefährdungsbeurteilung und die Beratung durch Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, Ihre Betriebsärztin oder Ihren Betriebsarzt und Ihre Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse.

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